III) Der Parcours - eine crossmediale Ausstellung

Nun geht es um das mediale Ausstellungsprojekt, das während der Jahrestage der »Schlacht um Berlin« 2017 als Parcours an fünf Orten gleichzeitig  stattfindet: Auf den Friedhöfen Columbiadamm und Buschkrugallee, im Deutsch-Russischen Museum Karlshorst, im Kulturstall Schloss Britz und in der Berliner Landeszentrale für politische Bildung in der Hardenbergstrasse am Zoo.

Die Ausstellung beginnt am 16. April 2017 und endet mit einer Finissage am 2. Mai 2017, dem Jahrestag der  Kapitulation der Stadt Berlin. Die Vernissage mit einer Podiumsdiskussion findet am 25. April 2017 im Kulturstall Schloss Britz statt.

Das Projekt versteht sich als kuratierte Inszenierung von Raum und Zeit dieser »unsichtbaren Orte«. Der wesentliche Baustein dabei ist das crossmediale Triptychon, wie ein mittelalterliches Altarbild, das zu einer emotionalen wie  intellektuellen Auseinandersetzung führt.

Die Kombination von digitalen Medien und real gebauten Entwürfen der Studierenden zeigt dabei eine ambivalente Wechselwirkung zwischen Wirklichkeitstreue, Imagination und Assoziationen – und reagiert so auf heutige mediale Sehgewohnheiten, wie den Krieg im Massenmedium Fernsehen oder in allgegenwärtigen Computerspielen.

Die kraftvollen Fotografien, technisch brillante Porträts mit der Leica M Monochrom über Grössen von 2 x 2 m, und Arbeiten im klassischen wie ebenso digitalen Medium der Zeichnung – einschließlich Collage, Fotomontage, Aquarell, Überblendungen, Split-Screens, Renderings – sind hierfür an der Beuth-Hochschule entstanden.

Neben noch lebenden Augenzeugen sollen die Studierenden in diesem Projekt  auch selbst zu Wort kommen, den Entwurfsprozess erläutern und von ihren Gefühlen und Erkenntnissen im Umgang mit dieser anspruchsvollen Thematik berichten.

So fasste z.B. eine syrischstämmige Studentin die Efeubeete der Grabfelder mit einer Wand aus bedruckten Spiegeln ein – Betrachter, Gräber und Soldaten verschmelzen zu einem unmittelbaren Bild-Gemisch – es weckt traurige Erinnerungen an ihre Heimatstadt Aleppo und verweist wiederum auf ihr Porträt, einem stummen Schrei. Ihre persönliche Geschichte dazu ist berührend.

Zwischen die Wege der streng in Reih und Glied liegenden Kriegsgräber setzt ein mexikanisch-deutsches Studenten-Team eine rostige »Himmelsleiter«, die anders als bei Jakob und den Engeln nicht in den Himmel, sondern zu einem riesigen leeren Rahmen führt, betitelt mit »Einsicht«. Dieser verrostete Rahmen könnte Teil einer Multi-Screen-Projektion werden, die den Hitlerjungen tätschelnden Hitler mit konstruierten ikonologischen Bildern kontrastiert. Bezeichnend sind etwa Mythen aus der griechischen Sagenwelt – vom Fährmann über den Fluss Styx, Allegorien des Todes, Schatten, verdunkelnde wie auch zerbrochene Spiegel – Teile der architektonischen Arbeiten für Portalräume.

Als temporäre Installationen mit einem zeitlichen Bezug zur »Schlacht um Berlin« realisieren wir mehrere Entwürfe auf dem Parcours in Berlin-Neukölln. Hierfür kooperieren wir mit Berliner Betrieben und überregionalen Partnern.

Wir setzen den authentischen Ort der Gräber direkt mit dem heutigen städtischen Kontext in Bezug, also als eine urbane wie zeitgeschichtlich und soziopolitische Intervention zum Thema Krieg und Gewaltherrschaft.