I) Hintergründe des Projekts

Vor 72 Jahren endete der Zweite Weltkrieg. Eine der letzten Großoffensiven des Zweiten Weltkriegs in Europa war die »Schlacht um Berlin« im April bis Anfang Mai 1945, die mit der bedingungslosen Kapitulation Berlins endete. Der Krieg kam nach Deutschland, dahin, von wo er ausgegangen war. Der Kampf um die Hauptstadt kostete unzählige Menschen das Leben, Soldaten und Zivilisten.

In der Berliner Stadtlandschaft finden sich noch heute Spuren des gewaltsamen Todes dieser Menschen.

Auf rund 220 Begräbnisstätten befinden sich Einzelgräber und Massengräber, in denen die Toten des Zweiten Weltkriegs sowie Opfer der NS-Gewaltherrschaft ruhen. Mehr als 136.000 Tote – viele davon Unbekannte – liegen auf Berliner Friedhöfen, Zivilisten, Zwangsarbeiter/innen, KZ-Opfer, Widerstandskämpfer, Opfer der sog. »Euthanasie« und Soldaten unterschiedlicher Nationalitäten.

Neukölln bündelt in kultureller, religiöser und sozialer Vielfalt alle Merkmale der Metropole Berlin – auch als Nekropole.

In Neukölln befinden sich auf 16 Friedhöfen, u.a. am Columbiadamm, in der Hermannstrasse, Buschkrugallee und Lilienthalstrasse, circa 15.000 einzelne Gräber und auf einer Fläche von 1600 m2 Sammelgräber mit Toten des Krieges sowie Opfern der NS-Gewaltherrschaft – eine urbane Schicht inmitten des täglichen Lebens. Diese Schicht ähnelt einer antiken Nekropole – jedoch über dem Boden. Obwohl die meisten Begräbnisstätten für die Öffentlichkeit zugänglich sind, sind nur sehr wenige Teil der allgemeinen Wahrnehmung, z.B. als klassische Parkfriedhöfe oder als prominente touristische Sehenswürdigkeiten.

Die Mehrheit dieser Opfer des Krieges und der Diktatur bleibt daher unsichtbar, unabhängig von Herkunft, Alter, Rolle, Schicksal.